Die Auftraggeber der Autoren rechneten mit einem baldigen Weltende -oder wollten, dass ihre Gemeindemitglieder daran glaubten
9 Einträgliche falsche Terminierung des Weltendes

9.1 Worte Jesu: Noch in dieser Generation

Markus (13,30) und Matthäus (24,34), Lukas (21,32) gleichlautend.

Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen. Matthäus (10,23): Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, so flieht in die andere. Amen, ich sage euch: Ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt.

Markus (9,1), fast gleichlautend mit Lukas (9,27) und Matthäus (16,28). Jesus sagt zu den Jüngern:

Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes gekommen ist.

9.2 Irdisch Hab und Gut hat keine Perspektive mehr

Die Evangelisten lassen ihren Jesus das Weltende nicht mit eigenen Worten beschreiben, sondern zitieren aus dem Alten Testament ohne die Quelle zu nennen. Jesus sagt laut (Mk 13,19):

Denn jene Tage werden eine Not bringen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit Gott die Welt erschuf ...

Daniel (12,1), ein jüngstes Gericht ankündigend:

Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt ...

Jesus laut (Mk13,24):

In jenen Tagen, nach der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen.

Jesaja (13,10), das Weltende betreffend:

Die Sterne und Sternbilder am Himmel lassen ihr Licht nicht mehr leuchten. Die Sonne ist dunkel, schon wenn sie aufgeht, der Mond lässt sein Licht nicht mehr scheinen.

9.3 Nutznießer der Endzeitprognosen

Die Evangelisten schrieben offensichtlich im Auftrag verschiedener frühchristlicher Gemeinden, die mit den Texten Mitglieder werben konnten.

9.3.1 Verknüpfung mit Versprechungen und Spendenaufrufen

Jesus beginnt sein Wirken mit der Verkündung (Mk 1,15):

Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe, kehret um ...

Wann genau erfüllt. Umkehr in welche Richtung? Keiner weiß bescheid, die Zuhörer sind zunächst ratlos. Genauere Anweisungen folgen in den nächsten Reden.

(Mk 10,21): Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben ...
Also Anlageberatung pur. So auch die anderen Autoren.

(Lk 12,33): Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen ... verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt droben im Himmel. (Mt 6,19): Sammelt euch nicht Schätze auf dieser Erde ... sondern sammelt euch Schätze im Himmel ...

9..3.2 Wer war arm und somit irdisch begünstigt?

Die christlichen Gemeinden. Auf dem Apostelkonzil von Jerusalem kommt es zu einem Handel. Gegen die Zusicherung von Geldtransfers nach Jerusalem erteilen die dortigen Führer Paulus die Lizenz zur Heidenmission. Paulus-Brief an die Galater (2, 9-10):

Wir sollten zu den Heiden gehen, sie zu den Beschnittenen. Nur sollten wir an ihre Armen denken, und das zu tun habe ich mich eifrig bemüht.

Paulus-Brief 1 an die Korinther (16,1-2):

Was die Geldsammlung für die Heiligen (von Jerusalem) angeht ... Jeder soll immer am ersten Tag der Woche etwas zurücklegen und so zusammensparen, was er kann.

Paulus-Brief 2 an die Korinther (8,6):

Ihr sollt euch auch an dem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen ... (9,5): ... und zwar als großzügige Spende, und nicht als Gabe des Geizes.

9.4 Rechtliche Würdigung

Mit der Prognose einer finalen Abwertung ergeht die Aufforderung, Hab und Gut abzustoßen. Empfohlen wird die Anlage der Erlöse in Form von Spenden für die Armen, wobei eine Gutschrift erfolgt. Garantiert werden Vergünstigungen bei der postmortalen Einlösung.
Strafbar ist die Prognose, wenn sie gegen besseres Wissen erfolgt. Kirchen, die über die Terminierung keine Auskunft geben, sind nicht zu belangen. So die Römische Kirche, die legt ihre Gelder sogar langfristig an, weder das jüngste Gericht fürchtend noch den Richter Jesus, der ihr befahl: Ihr sollt keine Schätze sammeln auf Erden ...

© Studiengruppe RDW

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