15 Vorbild für Jesus: Sektengründer und Propheten

15.1 Die Essener

Josephus skizziert die vorherrschenden religiösen und politischen Vorstellungen und Strömungen JA 18,1,2-6:

Bei den Juden gab es schon seit langer Zeit drei philosophische Sekten, nämlich die der Essener, Sadduzäer und Pharisäer ...

Josephus ist Pharisäer, bewundert aber die Essener.

Die Essener glauben an die Unsterblichkeit der Seele und halten den Lohn der Gerechtigkeit für das erstrebenswerteste Gut ... Bei ihnen herrscht eine ausgleichende Gerechtigkeit, infolge derer sie vollkommene Gütergemeinschaft haben und dem Reichen nicht mehr Genuss von seinen Gütern lassen wie dem Armen. Nach dieser Lehre leben über viertausend Menschen. Sie heiraten ebenso wenig, als sie Knechte halten, da sie das letztere für Unrecht, das erstere aber für die Quelle alles Streites halten, und so leben sie voneinander abgesondert und dienen einer dem andern.

15.2 Menschenfischer werden Landplage

15.2.1 Mit Hab und Gut an den Jordan.

Der Römer Fadus war um 45 n.Chr. Landpfleger. JA 20,5,1:

Noch während Fadus Landpfleger von Judäa war, bewog ein Betrüger mit Namen Theudas eine große Menschenmenge, ihm unter Mitnahme ihrer gesamten Habe an den Jordan zu folgen. Er gab sich nämlich für einen Propheten aus und behauptete, er könne durch ein Machtwort die Fluten des Jordans teilen ... Durch solche Spiegelfechtereien gelang es ihm, viele zu täuschen. Aber Fadus duldete nicht, dass ihr Treiben Schaden stiftete, in dem er eine Abteilung Reiter gegen sie aussandte. Viele von ihnen wurden getötet, andere gefangen ... Theudas wurde enthauptet, und sein Kopf nach Jerusalem gebracht.

15.2.2 Zeichen und Wunder

Laut Josephus fackelten die Behörden nicht lange. JA 20,8,6:

Gleichzeitig traten Gaukler und Betrüger auf und beredeten die Menge, ihnen in die Wüste zu folgen, wo sie mit Gottes Beistand offenbare Zeichen und Wunder tun würden. Viele glaubten ihnen, mussten aber für ihren Unverstand schwer büßen, da Felix sie zurückholen und hinrichten ließ.

15.2.3 Glückseligkeit versprochen

Der Nachfolger von Felix statuiert das nächste Exempel. JA 20,8,10:

Um diese Zeit trat wieder ein Gaukler auf, welcher der Menge Glückseligkeit und Befreiung von allem Elend verhieß, wenn sie ihm in die Wüste folge. Festus aber sandte gegen den Betrüger und dessen Anhang Abteilungen zu Fuß und zu Pferde aus, die den ganzen Haufen niedermachten.

15.2.4 Und Jesus?

Jesus heilt ungezählte Kranke, weckt Tote auf und verspricht alles Mögliche, fällt aber weder den Behörden noch dem Historiker auf.

15.2.5 Johannes historisch gesichert

Er hat laut Mk 1,9 Jesus getauft. Josephus JA 18,5,2:

Johannes der Täufer ... ein edler Mann, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen.

15.3 Johannes wird aus dem Weg geräumt

Folgen wir dem Historiker, war Johannes eine lästige Konkurrenz für Sektengründer und eine Bedrohung für den Staat. JA 18,5,2:

Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben, und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu räumen ... Auf diesen Verdacht hin ließ Herodes Johannes in Ketten legen, zur Festung Machaerus bringen und dort hinrichten.

15.4 Jesus tritt als Nachfolger auf

Er beginnt mit der Anwerbung von Anhängern. (Mk 1,14, 17):

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. (Zu Simon und seinen Bruder) Kommt her, folgt mir nach, ich werde euch zu Menschenfischern machen.

Werbung durch Wunder. (Mk 1,32):

Am Abend brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten und trieb viele Dämonen aus.

15.5. Überraschung. Ein historischer Jesus

15.5.1. Zur Erinnerung

Der Markus-Jesus prophezeite den Untergang Jerusalems und trat als Störenfried auf. Nach seiner Verhaftung wurde er von jüdischen Vorstehern verhört, dann geschlagen und schließlich dem römischen Landpfleger vorgeführt.

15.5.2 Wie ein gewisser Jesus die Ruhe störte und verhört wurde

Das Markus-Autor hat seinen Jesus nicht erlebt, dafür war er Zeitgenosse eines anderen, dem Ähnliches widerfuhr. Es geschah im Jahr 66 in der Nähe des Tempels. Josephus JK 6,5,3:

Ein gewisser Jesus ... fing da plötzlich an zu rufen: „Eine Stimme vom Aufgang, eine Stimme vom Niedergang, eine Stimme von den vier Winden; eine Stimme über Jerusalem und den Tempel ..." Tag und Nacht rief er dies, in allen Gassen der Stadt umherlaufend. Einige vornehme Bürger ... ergriffen den Menschen und züchtigten ihn mit harten Schlägen. Er aber fuhr ... immer nur fort, seine früheren Worte zu wiederholen. Mit Recht glaubten daher die Vorsteher, es möchte dem Benehmen des Menschen ein höherer Antrieb zu Grunde liegen, und führten ihn vor den römischen Landpfleger.

Dort wiederholt er nur seinen Klageruf: Wehe Jerusalem, obwohl er erneut geschlagen wird.

Als Albinus - so hieß der Landpfleger - ihn fragte, wer und woher er sei und weshalb er also rufe, gab er auch hierauf keine Antwort ... bis Albinus, von seinem Wahnsinn überzeugt, ihn laufen ließ.

Laut Josephus ließ dieser Jesus sein Wehe, wehe Jerusalem rund sieben Jahre lang erschallen, bis er während der Belagerung von einem Stein aus einer Schleudermaschine getroffen wurde.

15.5.3 Ist dieser Jesus unser Jesus?

Kurz darauf griffen Josephus und der Markus-Autor zur Feder. Hat letzterer für Albinus einfach Pilatus eingesetzt und die Umstände des Ablebens Jesu auf Drängen seiner Auftraggeber abgewandelt? Oder hat er bei Josephus Anleihen gemacht? Kardinal Joseph Ratzinger schreibt ein mehrbändiges Werk über Jesus, vielleicht findet er eine Antwort auf unsre Fragen. Der TSCP-Gruppe sei gesagt: Spart euer Geld, bis jemand einen realen Jesus gefunden hat.

15.8 Geistgezeugt? Neuer Aspekt

Falls der Jesus der Evangelien literarisch aus zeittypischen realen Personen kompiliert wurde, wäre er tatsächlich geistgezeugt. Seine Vorhaut wäre unverweslich, aber nicht brauchbar.

15.9 An Jesus glauben?

Warum nicht? Auch wenn es keine reale Person Jesus gab, kann ja jeder an seinen persönlichen Jesus glauben.

© Studiengruppe RDW

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