17 Matthäus-Hinzufügungen rein politisch

17.1 Markus 1,9. Erzählung beginnt mit der Taufe.

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret ...

Will sagen, der Säugling und Knabe konnte noch nichts bewirken und blieb daher unauffällig. Die Markus-Darstellung ist erstens plausibel und soll zweitens auf eine Inspiration von höherer Seite zurückgehen. Eine Meinungsänderung ist mit der herrschenden Vorstellung von Gott nicht vereinbar. Wenn aber nachträgliche Einfügungen Menschenwerk waren, ist zu vermuten, dass sie etwas einbringen sollten.

17.2 Zufügung der Geburt (Mt 1,18-25)

Wahrscheinlich auf Drängen seiner Auftraggeber fügt der Matthäus-Autor die Weihnachtsgeschichte in das Markus-Evangelium ein. Das Motiv liegt auf der Hand. Ein Datum mehr, an dem die Gemeinde schön feiern und spenden konnte.

17.3 Komplettierung der Familie (Mt 1,18)

Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt.

Bei der Werbung neuer Mitglieder war es von Vorteil zu betonen, dass Jesus aus einer ordentlichen Familie stammte. Damit waren alleinerziehende Mütter und offene Lebensgemeinschaften out.

17.4 Zufügung der Geistzeugung (Mt 1,18)

Noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte es sich, dass sie ein Kind erwartete, durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Je mächtiger ein Gott vorgestellt wird, um so mehr Beistand kann der Gläubige von ihm erwarten. In der Antike mit ihrem reichhaltigen Angebot an Göttern war die Machtfrage bei der Auswahl daher ein entscheidendes Kriterium. Als vom höchsten Gott gezeugte Gottheit war Jesus nun konkurrenzfähig.

17.5 Einfügung zur Klärung der Vorherrschaft

Der Matthäus-Autor übernimmt fast wörtlich den Markus-Text 7,31 bis 28 und weiter 29:

Da fragte er sie, aber ihr, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias.

Aber dann geht es nicht weiter:

Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.

Stattdessen folgt die erste Seligsprechung. (Mt 16,17):

Selig bist du, Simon Barjona, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
Dann begründet der Bearbeiter den Anspruch der Petrus-Sekte auf die erste Kirchenpfründe, in dem er Jesus sagen lässt (Mt 16,18):

Ich aber sage dir, du bist der Petrus und auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen ...

Auftrag erledigt. Wie weiter? Unser Autor schaut in seine Vorlage (Mk 8,33) und schreibt ab:

Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen. Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

(Mt 16,23) Einerseits Fels als Unterbau der Kirche, andererseits Satan? Eine Inspiration durch ein per Definition logisch denkendes höheres Wesen ist damit auszuschließen.

17.6 Ausgrenzende Textmanipulation

17.6.1 Betrifft TSCP

Die Betreiber des Klon-Projekt treten als überzeugte Christen auf. Sie sollten sich nicht auf den Matthäus-Autor berufen. Geht es nach ihm, kommt Jesus nicht zu ihnen.

17.6.2 Geht nur zu den Juden

Jesus sendet die Jünger aus. (Mk 6,7):

Er rief die Jünger zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben.

Der Matthäus-Autor verwandelt diesen Text in eine direkte Rede mit geänderter Botschaft. (Mt 10,5):

Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel und verkündet, das Himmelreich ist nah. Heilt Kranke, weckt Tote auf und macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus.

Ein klarer Fall von Ausgrenzung der nichtjüdischen Jesusgläubigen.

17.7 Fazit

Warum der Matthäus-Autor zuverlässiger sein soll als der Markus-Autor, leuchtet uns nicht ein.

© Studiengruppe RDW

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