Matthäus 10,34: Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert.
Kreuz aus Stacheldraht Maria in Granate
Kriegsmusem im Veneto. Kreuz aus Stacheldraht, Jungfrau Maria in einer Granate.
18 Jesus, die Liebe und der Frieden

18.1 Zur Akzeptanz des Sandalen-Jesus

Er kommt den Sehnsüchten eines an der Grobheit der Welt leidenden Publikums entgegen. Das ist ja auch das Anliegen der TSCP: Jesus rettet die Menschheit durch Stiftung einer Friedenskirche, wobei lediglich die gütigen Schwestern im Heil- und Pflegebereich übernommen werden. Eine schöne Idee, aber woher einen gütigen Jesus nehmen, wenn es keinen gibt?

18.2 Der handelnde Jesus der Evangelien ist ein anderer

18.2.1 Gnadenlos

Der Jesus in Jerusalem kann kein Brot machen. Als er Hunger hat, sieht er einen Feigenbaum, der keine Früchte trägt. Das soll bei Bäumen im Frühjahr ja vorkommen, ist also kein Grund, völlig auszurasten. Anders Jesus. (Mk 11,14) und (Mt 21,19):

Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle.

18.2 .2 Hemmungslos

Jesus hetzt mit einer demagogischen Rede das Volk gegen seine Konkurrenten auf, die Schriftgelehrten und Pharisäer. (Mt 13,13):

Ihr Heuchler ... ihr blinden Narren ... Ihr Söhne der Prophetenmörder ...Ihr Nattern und Schlangenbrut ...

Auch die Randale mit den Händlern im Tempel war nicht unbedingt friedenspreiswürdig.

18.2.3 Lieblos

Auf Menschen bezogen kommt das Wort Liebe im Markus-Evangelium nur einmal vor. (12,31). Die Spitzel des Hohenpriesters fragen Jesus nach den größten Geboten. Er weiß, dass er aufpassen muss und zitiert folgsam Levitikus 19,21.

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Offensichtlich wird das nur gesagt, damit die jüdischen und römischen Behörden keinen Verdacht schöpfen. Wenn keine Häscher zuhören, schlägt Jesus andere Töne an. Sollte eine Stadt die Jünger nicht aufnehmen, droht Jesus (Mt 10.15):

Amen, ich sage euch, dem Gebiet von Sodom und Gommorra wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm gehen, wie dieser Stadt.

18.2.4 Friedlos

Das Wort Frieden kommt in den Evangelien höchst selten vor, im Markus-Text sogar nur einmal. Jesus zu den Jüngern (Mk 9,49):

Jeder wird mit Feuer gesalzen werden. Das Salz ist etwas Gutes ... Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander.

Also kein Friede für alle und auch nicht für alle Hütten. (Mt 10,12):

Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden ... ist das Haus es aber nicht wert, soll der Friede zu euch zurückkehren.

18.3 Opportunistischer Nachtrag: Die Bergpredigt

Sie wurde unvermittelt in den Markus-Text zwischen (1,28) und (1,29) von der Matthäus-Redaktion eingefügt. Ethisch bringt sie im Vergleich mit dem AT nichts Neues. Nach unserer Analyse handelt sich um ein politisches Statement des Autors im Auftrag der Gemeinde. (Mt 5,38):

Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

Damit wurde den römischen Behörden signalisiert, dass die Christen keinen Umsturz planten. Den sie verfolgenden Schergen wurde versichert, sie hätten nichts zu befürchten, außer Liebe. (Mt 5,43):

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet.

Als der Text wurde verfasst, wurden nicht mehr die Jünger verfolgt, sondern die frühen Christen. Sie konnten die Zeilen der Polizei unter de Nase halten, wenn sie ins Gemeindehaus eindrang. Hätten der oder die Verfasser der Bergpredigt denn Krieg allgemeinen ächten wollen, standen ihnen Worte zu Gebote wie: „Wer zum Schwert greift, dem ist das Höllenreich sicher." Das hätten die Römer aber nicht gern gehört.

18.4 Warum keine Wirkung? Evangelien Verschlusssache

Die Gründe für eine Einschmeichelung bei den Behörden entfielen, als die Christen den Staat übernommen hatten. Mit der Einführung des gerechten Krieges durch Augustinus hat die Kirche dann die Friedensgebote außer Kraft gesetzt und dem Kirchenvolk auch nicht mehr zu Kenntnis gebracht.

18.5 Jesus kein Friedensbringer

Der Matthäus-Autor lässt seinen Jesus zwar kurz den Frieden predigen, aber nicht bringen. (Mt 10,34):

Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit dem Vater zu entzweien, und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.

Es handelt sich um einen Klartext, nichts wird versprochen, was nicht machbar gewesen wäre.

18.6 Sorgenvolles Fazit

Die Gutachter haben sich bis hierher bemüht, ihre Analyse emotionsfrei nach den Maßstäben strenger Objektivität anzustellen. Weil aber selbst mögliche Opfer künftigen Unheils, wollen wir am Ende mit unserer Meinung nicht hinter dem Berg halten: Es wäre besser, Jesus würde nicht geklont. Auch der Gedanke an andere Formen der Wiederkehr lässt uns nicht frohlocken.

Zurück