6 Wusste Jesus wer oder was er ist?

6.1 Belehrung durch eine Taube

Jesus sagt nie, er sei von Gott gezeugt oder auch nur, dass er Jesus heiße. Als sei ihm selbst nicht klar, wer er ist, bekommt Jesus am Anfang des Markus-Evangeliums einen Tipp. Er sieht eine Taube und eine Stimme sagt zu ihm (Mk 1,11):

Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Da Gott recht verstanden alle Menschen als seine Kinder ansieht, ist der Erkenntniswert der Auskunft gering. Siehe auch 6.3

6.2 Belehrung durch schlechten Leumund


Ohne sich vorzustellen, zieht Jesus die Massen durch Heilungen und die Austreibung böser Geister an. Ein solcher in einem Mann aus Karfanaum sagt zu Jesus (Mk 1,24):

Ich weiß wer du bist: Der Heilige Gottes. Da befahl Jesus: Schweig, und verlass ihn ... (Mk 3,11): Wenn die von unreinen Geistern besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrieen: Du bist der Sohn Gottes. Er aber verbot ihnen streng, bekannt zu machen, wer er sei.

6.3 Belehrung aus einer Wolke

Die Jünger sind verwirrt, da Jesus über sich nur in Rätseln spricht. Schließlich greift eine Stimme aus einer Wolke ein. Sie spricht zu drei Jüngern, ohne sich ihrerseits vorgestellt zu haben (Mk 9,7):

Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

6.4 Unwissen in Folge der Geheimniskrämerei

Dafür fragt Jesus die Jünger (Mk 8,27):

Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen Propheten.

Jesus kommentiert das nicht, sondern fragt sie nun selbst, wer er sei. Nur einer hat eine Antwort parat (Mk 8,29).

Ihr aber, für wen haltet ihr mich. Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christós. Doch er verbot ihnen, über ihn zu sprechen.

Petrus sagt also: Du bist der Gesalbte. So wurde der König der Juden als Mittler zwischen Gott und dem Volk genannt. Aber Jesus sagt nicht: Ja, ich bin es.

6.5 Der Menschensohn. Ankündigung in der 3.Person

Dann begann er sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden ... (Mk 13,26): Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen ...

Was ist ein Menschensohn auf den Wolken? Offenbar ein Adoptivsohn, den der Autor aus dem Alten Testament übernahm. Daniel (7,13,14):

Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zum Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurde Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.

6.6 Auch am Ende formulieren andere, wer er ist

In Jerusalem wird Jesus verhaftet. Verhör im Palast der Hohenpriester. Jesus schweigt zunächst. (Mk14,61):

Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn und fragte ihn: Bist du der Christós, der Sohn des Hochgelobten. Jesus sagte: Ich bin es und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.

Verhör beim römischen Landpfleger. (Mk 15,2):

Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden. Er antwortete ihm: Du sagst es.

Also der prophezeite Retter Israels. Hat er etwas in dieser Richtung erreicht? Eine heikle Frage.

6.7 Unsere Auslegung:

Wie Gott Vater wurde, oder Jesus Sohn, bleibt offen. Folgt man dem Propheten Daniel, handelt es sich um eine Adoption. König der Juden impliziert keine Vaterschaft. Wenn Jesus selbst nicht genau wusste, wer er war, ist es kein Wunder, dass die Christenheit sich bis heute nicht auf einen Jesus einigen kann.

© Studiengruppe RDW

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